Brotato
Eine Kartoffel, die mit sechs Waffen gleichzeitig auf Alien-Insekten ballert: viel mehr Pitch braucht Brotato eigentlich nicht. Ihr kämpft euch durch 20 immer schwerer werdende Wellen bis zum Endboss (auf höheren Schwierigkeitsgraden mischen auch Zwischenbosse mit), und zwischen den Wellen kauft ihr im Shop Waffen, Items und Stat-Upgrades ein. Eine Runde dauert je nach Ausgang 20 bis 30 Minuten, dann geht es mit der nächsten Kartoffel von vorne los.
Klingt eintönig? Tatsächlich spielt sich jede Runde auch sehr ähnlich, der Reiz steckt woanders: in den Builds. Welchen Brotato ihr nehmt und welche Waffen und Items ihr dazu entwickelt, daraus ist ein Meta entstanden, das online viel diskutiert wird und auf YouTube kaum zu übersehen ist. Das fängt bei offensichtlichen Kandidaten an wie dem Fernkämpfer, der mehr Reichweite und Fernkampfschaden mitbringt und mit dem ihr logischerweise auf Fernkampfwaffen geht. Schon deutlich schräger ist da der Pazifist, der am liebsten gar nicht kämpft: Jeder Gegner, der am Ende einer Welle noch lebt, bringt ihm Material ein, also weicht ihr eine Runde lang nur aus und werdet fürs Nichtstun bezahlt (klingt bescheuert, funktioniert aber). Und es geht noch deutlich obskurer.
Gut gefällt mir auch, dass Brotato auf große Meta-Progression verzichtet. Belohnt werdet ihr mit freigeschalteten Waffen, Items und neuen Charakteren, aber es gibt keine Stats, die ihr zwischen den Runs hochzieht - das Spiel wird also nicht von allein immer einfacher. Wenn ihr eine Welle übersteht, dann weil der Build sitzt (oder ihr gut ausgewichen seid), nicht weil ein Skilltree euch 20% mehr Schaden geschenkt hat. Brotato braucht mechanischen Skill, vor allem aber Freude am Optimieren. Und die Bereitschaft, dass ein Run auch mal nach fünf Wellen endet, weil die Idee dahinter einfach nicht zündet. Macht nichts, der nächste ist nur einen Klick entfernt.
Für mich ist es so zum perfekten Spiel für zwischendurch geworden: mal eben mit einem neuen Charakter ein paar Items freischalten oder mit einem alten Bekannten den nächsthöheren Schwierigkeitsgrad angehen. Die Runden sind kurz, bauen nicht aufeinander auf, und es gibt keinen Spielstand, in den ihr euch nach zwei Wochen Pause erst wieder reindenken müsst - jede Runde steht für sich. Auf dem Steam Deck läuft es übrigens tadellos. Dazu wird das Spiel fleißig gepflegt: Updates bringen immer wieder neue Charaktere, und am Balancing wird ständig geschraubt.
Brotato kostet auf Steam derzeit 4,99€, daneben gibt es Versionen für iOS und Android. Wer von einem Run Abwechslung in der Kulisse oder gar eine Geschichte erwartet, wird hier nicht glücklich, die Arena bleibt die Arena. Wer aber Spaß daran hat, aus Zahlen, Waffen und Items eine kleine Höllenmaschine zu bauen, bekommt verdammt viel Spiel für unter fünf Euro.