The King Is Watching

Eure Untertanen sind von Natur aus stinkfaul. Sobald ihr wegschaut, lehnen sie sich an die Schaufel und machen erstmal gar nichts. Genau das ist der Dreh- und Angelpunkt von The King is Watching: Gebäude fördern Ressourcen und Einheiten werden nur ausgebildet, solange euer königlicher Blick auf ihnen ruht. Ihr schiebt diesen Sichtbereich also ständig über eure kleine Burg, mal auf die Ressourcen-Gebäude, mal auf die Truppengebäude, und müsst dabei dauernd entscheiden, was gerade wichtiger ist.

Drumherum steckt ein erstaunlich griffiger Mix aus Aufbau und Tower-Defense. Ihr entscheidet, wo welche Gebäude entstehen, die dann entweder Ressourcen einbringen oder Einheiten produzieren, und müsst Welle für Welle anrückende Gegner abwehren. Der für mich spannendste Kniff: Ihr könnt euch die Wellen freiwillig schwerer machen, um im Gegenzug mehr Ressourcen abzustauben. Dieses kleine Risiko-Ertrags-Spielchen verleitet mich jedes Mal dazu, doch noch ein bisschen mehr zu pokern, als eigentlich vernünftig wäre.

Richtig spaßig wird es dann mit den verschiedenen Königen, die ihr nach und nach freispielt, denn die verschieben den kompletten Fokus eures Builds. Der eine verstärkt zum Beispiel eure Zauber, womit es plötzlich Sinn ergibt, gezielt Gebäude hochzuziehen, die eben jene Zauber produzieren, statt nur auf Truppen zu setzen. Ein anderer drückt euch eher in Richtung Wirtschaft, wobei euch die Ressourcen-Gebäude da keine Ruhe gönnen: die laufen mit der Zeit leer und müssen immer wieder neu gesetzt werden, was den ständigen Kampf um Platz und Aufmerksamkeit nochmal anheizt. Und wer auf die ganz dicken Brocken wie einen Drachen hinarbeitet, merkt schnell, dass der Weg dahin teuer erkauft ist: das Getreide, das ihr da reinpumpt, braucht ihr nebenbei ja auch, um die laufenden Wellen überhaupt zu überstehen.

Was mich dann aber wirklich Runde um Runde bei der Stange hält, ist die Meta-Progression. Mit den Ressourcen, die ihr euch über die einzelnen Runs hinweg erspielt, schaltet ihr dauerhafte Verbesserungen frei und werdet so von Lauf zu Lauf ein gutes Stück stärker. Das ist genau dieser fiese "nur noch eine Runde"-Haken, der mich abends dann doch länger vor dem Bildschirm hält als eigentlich geplant.

Was The King is Watching für mich aber besonders sympathisch macht, ist wie gut es sich nebenbei spielt. Im Fenstermodus läuft es klaglos mit, und sobald eine Situation mehr Aufmerksamkeit verlangt, lässt es sich einfach mal pausieren, in Ruhe die Burg sortieren und dann weitermachen. Auch auf dem Steam Deck macht es bei mir eine richtig gute Figur.

The King is Watching gibt es derzeit für 14,99€ auf Steam. Wer auf das Optimieren kleiner, verzahnter Systeme steht und mit dem Roguelite-Prinzip (jede Runde von vorne, dafür mit dauerhaften Freischaltungen) etwas anfangen kann, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren. Wer dagegen lieber in Ruhe eine große Stadt hochzieht, ohne dass ihm ständig Wellen ins Kontor fahren, ist mit einem klassischen Aufbauspiel besser bedient.