ARC Raiders - Stark im Team, ausgebremst von den Expeditionen

Ein richtig kompetenter Extraction-Shooter, der im Team süchtig macht. Warum ich trotzdem immer seltener reinschaue, hat einen Namen: die Expeditionen.

ARC Raiders - Stark im Team, ausgebremst von den Expeditionen

Der Rucksack ist randvoll, der Extraktionspunkt nur noch zwei Häuserblocks entfernt, und ausgerechnet jetzt huscht am Bildrand eine fremde Spielergestalt vorbei. Bleiben wir liegen und hoffen, dass sie uns nicht bemerkt, oder nehmen wir den Kampf an und riskieren die ganze Beute? Solche Momente sind das Herz von ARC Raiders, und im November habe ich kaum etwas anderes gespielt.

ARC Raiders ist ein Extraction-Shooter von Embark Studios: Ihr betretet eine Karte über feste Einstiegspunkte wie Bunkerausgänge, sammelt Beute, müsst dabei den ARCs ausweichen oder sie bekämpfen, jenen Maschinen, die der Welt ihren Namen geben, und schafft es im besten Fall mit vollen Taschen wieder lebend hinaus. Gespielt habe ich fast nur im Duo oder Trio, und selten hatte ich bei einem Spiel dieser Machart so viel Spaß. Die Gameplay-Loop sitzt einfach.

Besonders gut gefällt mir, wie der Kampf gegen die ARCs ausbalanciert ist. Die Maschinen sind weder lächerlich einfach noch unfair schwer. Es geht weniger ums stumpfe Draufhalten als darum, die Situation zu lesen: Wann lohnt sich ein Gefecht, wann schleiche ich lieber drumherum? Wenn etwas schiefgeht, kann ich die Schuld fast immer bei mir selbst suchen. Fast immer, denn sobald andere Raider im Spiel sind, gelten andere Regeln.

Und das ist die zweite Seite der Medaille. ARC Raiders kann unglaublich belohnend und spannend sein, im nächsten Moment aber auch zum Haareraufen, wenn andere Spieler ihre asozialsten Seiten herauskehren. Im Team mit Freunden überwiegt für mich trotzdem klar der Spaß, gerade weil die Anspannung geteilt wird und man hinterher noch tagelang von der einen knappen Flucht erzählt.

Drumherum stimmt das Handwerk. Die Karten sehen gut aus und sind spannend gebaut, mit genug Wegen und Verstecken, dass sich jede Runde anders anfühlt. Dazu läuft das Spiel auch auf schwächeren Rechnern ordentlich, was bei einem Titel dieser Optik nicht selbstverständlich ist. Eine große Community gibt es obendrein, und wer mag, findet auf YouTube endlos Material dazu.

Eine Sache muss ich aber vorausschicken, weil sie alles Weitere erklärt: Der eigentliche Endgegner von ARC Raiders ist euer Stash. Der ist nämlich chronisch zu voll. Ihr schleppt aus jeder Runde einen Wust an unterschiedlichsten Gegenständen heraus und wisst irgendwann schlicht nicht mehr, wohin damit. Das ist kein Versehen, sondern gewollte Verknappung, denn praktischerweise hält das Spiel auch gleich die Lösung bereit: mehr Platz, freigeschaltet über die Expeditionen.

Und damit sind wir beim Grund, warum ich inzwischen immer seltener reinschaue. Alle paar Monate bricht eine Expedition auf, eine Karawane, mit der ein Großteil eures Fortschritts zurückgesetzt wird. Ihr fangt quasi wieder bei null an und levelt alles neu hoch. Offiziell ist das eine freie Entscheidung, mitmachen muss niemand. Nur fühlt es sich kein bisschen so an: Wer mitzieht, bekommt zusätzliche Skillpunkte, einen XP-Bonus, mehr Material und eben den begehrten Stash-Platz, wer es bleiben lässt, steht am Ende schlechter da als alle anderen. Eine Entscheidung, die in Wahrheit keine ist.

Beim ersten Mal hat dieser Neuanfang durchaus seinen Reiz. Beim zweiten und dritten Mal fühlt es sich für mich nur noch nach hartem Grind an, und das Vorbereiten auf die nächste Reise macht mich zum Packesel, der bloß noch versucht, möglichst viel rauszuschleppen. Dazu kommt ein Kniff, der mir endgültig sauer aufstößt: Wer eine Expedition auslässt, verliert seine Streak beim XP-Bonus. Das riecht mir zu sehr nach FOMO, nach "spiel jetzt, sonst verpasst du was", und dafür ist mir das Spiel ehrlich gesagt nicht wichtig genug.

Schade, denn unterm Strich ist ARC Raiders ein richtig kompetenter Extraction-Shooter. Wenn ihr eine feste Crew habt, den Nervenkitzel des Rein-und-wieder-raus mögt und euch an einem saisonalen Neuanfang alle paar Monate sogar erfreuen könnt, dann greift zu, da bekommt ihr eine Menge geboten. Aber auch ohne feste Truppe lohnt sich der Blick: Einfach mal so eine Runde zwischendurch zu spielen, macht für sich genommen schon eine Menge Laune. Wer dagegen wie ich auf Dauer keine Lust auf den wiederkehrenden Reset und den sanften FOMO-Druck hat, sollte sich vorher überlegen, ob die Loop langfristig zu einem passt.

ARC Raiders kostet als Standard Edition rund 40€ und ist für den PC (Steam) sowie für PS5 und Xbox Series X/S verfügbar, mit Crossplay über alle Plattformen.