Hades
Ein Rogue-lite, bei dem mir der Tod selbst die Geschichte erzählt: Hades hat mich spätestens beim Kraulen des Höllenhundes gepackt und Run für Run nicht mehr losgelassen.
Spätestens als ich Kerberos das erste Mal über alle drei Köpfe kraulen und ihm heimlich ein Leckerli zustecken durfte, war es um mich geschehen. Ab da hatte mich Hades.
Im Grunde ist Hades ein Rogue-lite: Ihr versucht euch als Zagreus aus der Unterwelt nach oben zu prügeln, sterbt dabei zuverlässig und landet wieder am Anfang, im Haus des Hades. Klingt nach dem üblichen Stirb-und-wiederhole, aber Supergiant macht aus dem Tod selbst einen Teil der Erzählung. Jedes Mal, wenn ich von einem gescheiterten Run zurückkam, hatten die Charakter die im Haus rumstanden etwas neues zu erzählen und ich habe mich tatsächlich darauf gefreut. Die Geschichte hing die ganze Zeit wie eine Karotte vor meiner Nase und ich musste sie mir Run für Run selbst erspielen. Genau das war für mich der stärkste Motivator. Und das Schöne: Mit dem ersten Abspann ist noch lange nicht Schluss, die Geschichte spinnt sich danach munter weiter, und so habe ich Hades am Ende gleich mehrfach durchgespielt, ohne dass es sich je nach Pflicht angefühlt hätte.






Wunderschöner Grafikstil von Hades
Dazu kommt, dass ich auch das Haus immer wieder ein Stück weiter aufgewertet und damit immer neue Verbesserungsmöglichkeiten freigeschaltet habe. Dieses langsame Anwachsen ist sauber umgesetzt: Selbst ein verlorener Run fühlt sich nie ganz umsonst an, weil hinterher wieder irgendwo eine neue Option, ein neues Gespräch oder eine neue Aufwertung auf mich wartete.
Mechanisch macht Hades ebenfalls vieles richtig. Die verschiedenen Waffen, vom Schwert über Schild und Bogen bis zu den Fäusten, fühlen sich alle eigenständig und gut umgesetzt an, jede spielt sich spürbar anders. Mein Favorit war trotzdem jedes Mal der Speer (Reichweite vorm Herrn). Und obwohl ich das längst wusste, musste ich ihn vor jedem Aufbruch natürlich erst noch an Skelly, der armen Übungspuppe, ausprobieren.
Dazu kommt die Präsentation, die alles zusammenhält. Der Grafikstil ist schlicht wunderschön, diese kräftigen Farben und die comichaft gezeichneten Charakterporträts erkennt man unter tausend anderen Spielen wieder. Und dann erst die Vertonung: Praktisch jede Zeile ist eingesprochen, die Sprecher sind durchweg klasse, und es gibt so absurd viele Dialoge, dass mir selbst nach Stunden noch neue unterkamen. Mein heimlicher Liebling ist dabei ausgerechnet Charon, der gesprächige Händler unseres Vertrauens, der in Wahrheit kein einziges Wort herausbekommt und sich ausschließlich durch ein tiefes, unergründliches Ächzen verständigt. Man mag ihn trotzdem. Oder gerade deswegen.
Was bleibt, ist ein durch und durch stimmungsvolles, story-getriebenes Spiel, das auch spielerisch sehr kompetent ist. Der Clou liegt für mich darin, dass die Geschichte eben nicht einfach abläuft, sondern dass ihr sie euch über die vielen Tode hinweg selbst verdient, und das hat bei mir gezogen wie kaum ein Rogue-lite davor. Einzig wer das ewige Von-vorne-Anfangen des Genres partout nicht ausstehen kann, sollte die Finger davon lassen, denn auch die schönste Karotte tröstet am Ende nicht über die Wiederholung hinweg.
Hades gibt es für 24,99€ auf Steam sowie auf der Switch.