Ein Senator hat sich in seinem Dating-Profil als "Dave, 34, Unternehmer" ausgegeben. Blöd nur, dass er in Wahrheit 58 ist, und noch blöder, dass es jetzt die ganze Presse weiß. Ihr seid sein Spin Doctor und sollt aus dieser Geschichte bis morgen früh eine Titelseite machen, mit der er die Wahl trotzdem gewinnt.
So fängt eine Kampagne in Spin·Doctor an. Entstanden ist das Spiel als mein Beitrag zum Very Serious Juniper Dev Game Jam, für den man eine Woche Zeit hatte. Das Thema lautete "Spin to win" und bei dem Wortspiel lag die Idee schnell auf der Hand. Ihr dreht an den Walzen eines Spielautomaten und gebt der Geschichte damit euren eigenen Spin, bis es (hoffentlich) für die Wahl reicht.
Die drei Walzen liefern Satzbausteine für Subjekt, Handlung und Rechtfertigung, aus denen sich die Schlagzeile zusammensetzt (gut 130.000 Kombinationen sind möglich, eine absurder als die andere). Aus dem Dating-Skandal wird dann zum Beispiel "The guy who tamed inflation called it a hard chapter to close. And the press buried the truth." Jede Pressefrage ist für bestimmte Taktiken anfällig, etwa für Ablenkung oder eine ordentliche Portion Mitleid. Passende Bausteine haltet ihr fest, den Rest dreht ihr neu. Wann ihr aufhört, entscheidet ihr selbst. Veröffentlicht ihr, was ihr habt, oder dreht ihr noch einmal und riskiert einen Baustein, der euch live im Fernsehen um die Ohren fliegt? Fünf Skandale gilt es so zu überstehen und am Wahlabend braucht ihr mindestens 51% Zustimmung.

Spiele wie Balatro oder Brotato haben mich dabei sicher beeinflusst, das lässt sich gar nicht leugnen (anders als ihr es im Spiel tun solltet). Der Multiplikator, der eure Punkte nach oben treibt, und der Back Room, in dem ihr zwischen den Skandalen euer Team zusammenstellt und befördert, kommen nicht von ungefähr. Mit Spielkarten und Kartoffeln hat Spin·Doctor ansonsten aber wenig am Hut. Optik und Humor kommen eher von Wahlplakaten, einigen Folgen von The West Wing und den Titelseiten der Boulevardpresse.
Ein solides Team bringt euch sicher durch den Wahlkampf, Rekorde gibt es aber nur mit riskanten Kombinationen, die erst zünden, wenn alle drei Bausteine passen. Und diese Jagd packt einen schneller, als ich am Anfang gedacht hätte. Sobald eine Kombo sitzt, rattern die Zahlen nach oben, das Konfetti fliegt und weil die Zustimmung dabei über 100% schießt, gibt es den Überschuss obendrauf noch als Bonus-Kapital für den nächsten Einkauf. Dazu kommen ein Achievement-System und hier und da ein paar Micro-Animationen, um das Belohnungszentrum zu stimulieren. Spätestens da will man nur noch wissen, wie weit sich das treiben lässt. Als in den Kommentaren die ersten Leute ihr Verhältnis zum Glücksspiel hinterfragten, wusste ich, dass ich alles richtig gemacht hatte.
Am Ende jeder Kampagne zieht das Spiel Bilanz, mit Wahlergebnis, Punktestand, der besten Schlagzeile und eurem Team samt Beförderungen. Das Ganze lässt sich per Klick als Text kopieren und tatsächlich haben ein paar Leute ihre Ergebnisse direkt unter das Spiel gepostet, von gut 6.000 bis über 36.000 Punkten.
Gelandet ist Spin·Doctor am Ende auf Platz 107 von 3.498 Einreichungen. Viel mehr als die Zahl freut mich aber, wie viel positives und konstruktives Feedback zusammengekommen ist. Gelobt wurden vor allem der Look und der Sound, dazu hatten mehrere sichtlich Spaß an den schrägen Schlagzeilen (jemand fühlte sich an Oh, Sir! The Insult Simulator erinnert). Genauso hilfreich war die Kritik. Ein paar Leute wussten am Anfang nicht so recht, was sie tun sollen, und jemandem war es schlicht zu leicht. Eine richtige Einführung stand bei mir zwar auf dem Zettel, ist am Ende aber der Zeit zum Opfer gefallen.
Spielen könnt ihr Spin·Doctor direkt im Browser auf spin-doctor.darwyn.io oder über Itch.io, gesteuert wird komplett mit der Maus. Und keine Sorge, alle Politiker und Skandale sind frei erfunden, ist ja alles Satire.